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PUBLII VERGILII MARONIS ECLOGA DECIMA

Publius Vergilius Maro

10. Ekloge

 

Versmaß: Hexameter

Metrische Analyse: Bussinchen

 

Deutsche Übersetzung:   http://www.gottwein.de/Lat/verg/ecl10.php

 

 

 

Gallum

Gallus





Extre|mum hunc, Are|thusa, mi|hi con|cede la|borem:
pauca me|o Gal|lo, sed | quae legat | ipsa Ly|coris,
carmina | sunt di|cenda: ne|get quis | carmina | Gallo?
Sic tibi, | cum fluc|tussub|terla|bere Si|canos,

Lass', Arethusa mir doch, dies Werk, mein letztes, gelingen!

Kurzen Gesang nur heischt mein Gallus, welchen Lycoris
Selbst auch lese: ein Lied - wer mag es versagen dem 
Gallus?
Möge dir dann, wenn du quillst tief unter Sicaniens Fluten,

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Doris a|mara su|am non | inter|misceat | undam;

 
incipe; | sollici|tos Gal|li di|camus a|mores,
dum tene|ra-atton|dent si|mae uir|gulta ca|pellae.
Non cani|mus sur|dis: re|spondent | omnia | siluae.


Quae nemor|a­-aut qui | uossal|tus habu|ere, pu|ellae

Doris', der bitteren, Quell sich nicht mit dem deinigen mischen!


Auf denn! Singen wir jetzt von 
Gallus' bekümmerter Liebe,
Während das zarte Gesträuch stumpfnasige Ziegen umnaschen.
Nicht tönt Tauben das Lied: denn stets antworten die Wälder.

 

Sagt, wo wart ihr im Hain, ihr keuschen Naiaden, in welcher

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Naides, | indig|nocum | Gallus a|more per|ibat?
Nam neque | Parna|si uo|bis iuga, | nam neque | Pindi
ulla mo|ram fe|cere, ne|que Ao|nie Aga|nippe.
Illum eti|am lau|ri, eti|am fle|uere my|ricae;
pinifer | illum eti|am so|la sub | rupe ia|centem

Schlucht, als Gallus' Gemüt unwürdige Liebe verzehrte?
Denn da brachten ja weder Parnassus' Höhen, noch 
Pindus'
Irgend Verzögerung euch, noch Aonias Quell Aganippe.
Jenen beweinten sogar Lorbeeren, sogar Tamarisken.
Maenalus auch, mit Pinien bepflanzt, und des kalten Lycaeus

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Maenalus | et geli|di fle|uerunt | saxa Ly|caei.
Stant et o|ues cir|cum (nos|tri nec | paenitet | illas,
nec te | paenite|at peco|ris,di|uine po|eta:
et for|mosuso|uis ad | flumina | pauit A|donis);
uenit et | upili|o; tar|di uen|ere sub|ulci;

Steine beweineten ihn, der einsam unter dem Fels lag.
Schaf' auch standen umher: nicht unser ja schämt sich die Herde.
Du auch schäme dich nicht, o göttlicher Sänger, der Herde!
Weidete doch auch Schafe der schöne 
Adonis an Flüssen.
Langsam kamen daher Kuhhirten: der Schäfer, er kam auch;

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uuidus | hiber|na ue|nit de | glande Me|nalcas.

 
Omnes | "Vnde amor | iste" ro|gant "tibi?" | Venit A|pollo:
"Galle, quid | insa|nis?" in|quit; "tua | curaLy|coris
perque ni|ues ali|um per|que horrida | castra se|cuta est."


Venit et | agres|ti capi|tis Sil|uanus ho|nore,

Nass kam ferner Menalcas daher, von den Eicheln des Winters.


Alle sie fragen: "Woher solch Lieben?" Apollo erschien selbst:
"
Gallus, was rasest du?" spricht er. "Lycoris, die du ersehnest,
Führt' ein anderer weg durch Schnee und schaurige Lager."


Auch Silvanus erschien mit ländlichem Schmucke des Hauptes,

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floren|tis feru|las et | grandia | lilia | quassans.
Pan deus | Arcadi|ae ue|nit, quem | uidimus | ipsi
sanguine|is ebu|li ba|cis mini|oque ru|bentem:
"Ecquis e|rit modus?" | inquit "A|mor non | talia | curat,
nec lacri|mis cru|delis A|mor nec | gramina | riuis

Blühendes Fenchelgewächs und mächtige Lilien schüttelnd.
Pan, Arkadias Gott, kam auch, (wir sahen ihn selber
Rötlich mit Mennig bemalt und blutigen Beeren des Attichs),
Rufend: "Wann endet die Klag'? Nicht kümmert um solches sich Amor.
Amor wird so wenig der Tränen wie Gräser des Bachs satt,

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nec cyti|so satu|rantur a|pes nec | fronde ca|pellae."


Tristis at | ille: "Ta|men can|tabitis, | Arcades" | inquit,
 "montibus | haec ues|tris, so|li can|tare per|iti
Arcades. | O mihi | tum quam | molliter | ossa qui|escant,
uestra me|os o|lim si | fistula | dicat a|mores!

Satt nicht Bienen des Cytisus: satt nicht Ziegen des Laubes."

 

Jener erwidert betrübt: "Singt immer, Arkadier, singt dies

Euren Gebirgen. Allein seid ihr Arkadische Männer
Kundig des Lieds. Wie sanft, ach, ruheten meine Gebeine
Dann, wenn eure 
Syringe dereinst mein Lieben besänge!

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Atque uti|nam ex uo|bis u|nus ues|trisque fu|issem
aut cus|tos gregis | aut ma|turae | uinitor | uuae!
Certe | siue mi|hi Phyl|lis si|ue esset A|myntas,
seu qui|cumquefu|ror (quid | tum, si | fuscus A|myntas?
et nig|raeuio|lae sunt | et uac|cinia | nigra),

Ach, und wär' ich von euch doch einer gewesen, ein Hirt nur
Euerer Herde, vielleicht auch Pflanzer der zeitigen Trauben!
Sicherlich, möchte nun Phyllis mir wert sein, oder Amyntas, 
Oder für wen ich erglüht (was ist's, wenn braun ist Amyntas?
Dunkel ja sind die Violen, und dunkel die Blumen der Iris),

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mecum in|ter sali|ces len|ta sub | uite ia|ceret:
serta mi|hi Phyl|lis lege|ret, can|taret A|myntas.
Hic geli|di fon|tes, hic | mollia | prata, Ly|cori;
hic nemus; | hic ip|so te|cum con|sumerer | aeuo.


Nunc in|sanus a|mor du|ri me | Martis in | armis

Ruhten sie zwischen den Weiden bei mir, an den Ranken des Weinstocks.
Phyllis pflückte mir Blumen zum Kranz, mir sänge Amyntas.
Hier ist Kühlung des Quells, hier schwellender Rasen, 
Lycoris.
Hier ist Gehölz, hier möcht' ich mit dir mein Leben beschließen.


Jetzo von Waffen umtobt, in Mavors' Rüstung, des wilden,

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tela in|ter medi|a atque ad|uersos | detinet | hostis.


Tu procul | a patri|a (nec | sit mihi | credere | tantum)
Alpi|nas, a, | dura, ni|ues et | frigora | Rheni
me sine | sola ui|des. A, | te ne | frigora | laedant!
a, tibi | ne tene|ras glaci|es secet | aspera | plantas!

 

Stürmenden Feinden ein Ziel, muss rasende Liebe mich fesseln!


Du von der Heimat fern (dürft' ich's nicht glauben!), so fern, ach!
Schaust, fühllose, die Alpen im Schnee, und die Kälte des Rheinstroms,
Ohne mich du so allein! Ach dass nicht Frost dich verletze!
Dass nicht ritze das Eis dir die Sohlen, das rauhe die zarten!

 

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Ibo et | Chalcidi|co quae | sunt mihi | condita | uersu
carmina | pasto|ris Sicu|li modu|labor a|uena.


Certum est | in sil|uis in|ter spe|laea fe|rarum
malle pa|ti tene|risque me|os in|cidere A|mores
arbori|bus: cres|cent il|lae, cre|scetis, A|mores.

 

Gehn will ich, und das Lied, das in chalkidischem Maß ich
Dichtete, spielen, vom Rohr des sikilischen Hirten begleitet.


Ja, so sei's: in dem Wald, umgeben von Höhlen des Wildes,
Duld' ich lieber, in zartes Gehölz einritzend den Namen
Meiner Geliebten. Es wächst das Gehölz: du wächsest, o Liebe.

 

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Intere|a mix|tis lus|trabo | Maenala | Nymphis,
aut a|cris uen|abor a|pros; non | me ulla ue|tabunt
frigora | Partheni|os cani|bus cir|cumdare | saltus.
Iam mihi | per ru|pes uide|or lu|cosque so|nantis
ire; li|bet Par|tho tor|quere Cy|donia | cornu

Dann von Nymphen umkreist durchschwärm' ich den Mänalus, oder
Jag' ich ein mutiges Schwein. Kein Frost soll je mich verhindern,
Zu umstellen mit Hunden die Schlucht Parthenischer Berge.
Ha, schon wähn' ich durch Felsen zu ziehn und hallende Haine:
Lustig entschnell' ich dem Parthischen Horn kydonische Pfeile: -

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spicula; | tamquam haec | sit nos|tri medi|cina fu|roris,
aut deus | ille ma|lis homi|num mi|tescere | discat!


Iam neque Ha|madrya|des rur|sus nec | carmina | nobis
ipsa pla|cent; ip|sae rur|sus con|cedite, | siluae.


Non il|lum nos|tri pos|sunt mu|tare la|bores,

Als ob Heilung vielleicht dies schaffte dem liebenden Wahnsinn,
oder der Gott bei menschlichem Leid je fühlet Erbarmen!


Ja, es gefallen mir jetzt schon nimmer die Hamadryaden,
Noch auch Lieder: so lebt denn wohl jetzt wieder, ihr Wälder!


Jenen vermag doch nicht zu besänftigen unsere Mühsal:

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nec si | frigori|bus medi|is He|brumque bi|bamus,
Sithoni|asque ni|ues hie|mis sube|amus a|quosae,
nec si, | cum mori|ens al|ta liber | aret in | ulmo,
Aethio|pum uer|semus o|uis sub | sidere | Cancri.
Omnia | uincit A|mor: et | nos ce|damus A|mori."

 

Nicht, ob mitten im Frost wir tränken das Wasser des Hebrus,
Und sithonischen Schnee aushielten im regnigten Winter:
Noch, wenn welket der Bast, absterbend an ragender Ulme,
Unter des Krebses Gestirn wir weideten Schafe der Moren.
Liebe besieget die Welt: auch uns lasst weichen der Liebe!"

 

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Haec sat er|it, di|uae, ues|trum ceci|nisse po|etam,
dum sedet | et graci|li fis|cellam | texithi|bisco,
Pieri|des: uos | haec faci|etis | maxima | Gallo,
Gallo, | cuius a|mor tan|tum mihi | crescit in | horas,
quantum | uere no|uo uiri|dis se | subicit | alnus.

 

Musen, genug sei nun des Gesangs von euerem Dichter,

Während er sitzt und ein Körbchen sich flicht von geschmeidigem Eibisch.
Pieriden, nur ihr könnt wert dies machen dem 
Gallus,
Gallus, der stündlich so viel mir lieber und werter geworden,
Als im verjüngeten Lenz aufwächset die grünende Erle.

 

75


Surga|mus: solet | esse gra|uis can|tantibus | umbra,
iunipe|ri grauis | umbra; no|cent et | frugibus | umbrae.
Ite do|mum satu|rae, uenit | Hesperus, | ite, ca|pellae.

 

Stehen wir auf: unheilsam ist oft Umschattung den Sängern,
Schlimm Wacholderumschattung: das Korn auch leidet vom Schatten.
Gehet, gesättigte Ziegen, nun heim! Geht, 
Hesperus nahet!




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