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linhart Offline




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Tue Jan 10, 2012 2:38 pm
BACATUS Quote · reply

Das folgende Problem hat eine gewisse Ähnlichkeit mit APPLUMBO:

bācātus, a, um, of a verb not otherwise in use, bāco, āre [baca, II. B. 1.],
set or adorned with pearls, pearl - (very rare): monile, * Verg. A. 1, 655; Sil. 8, 134; Lampr. Alex. Sev. 41.

Die Situation ist aber insoferne anders, also hier baco nicht als Stichwort aufscheint. Es ist aber immerhin fettgedruckt. Ich nehme daher an, dass die Quellenlage (zumindest aus der Sicht von L&S) ganz ähnlich wie bei applumbo ist, d.h. es wird von einem Perfektpartizip auf ein Verb geschlossen, das aber als solches nicht belegt ist.


Im Georges ist baco allerdings ein normales Stichwort, und es ist auch eine Literaturstelle angegeben:

bāco, āre (bāca), mit Lorbeer bestreuen, Apic. 1, 12.

Es könnte also sein, dass L&S diese Literaturstelle übersehen haben. (Die Abkürzung "Apic." scheint in der Liste der "Ancient Authors" von L&S auf.)


Ich habe in Apic. 1, 12 nur eine Stelle gefunden, die eventuell passen könnte (http://www.thelatinlibrary.com/apicius/apicius1.shtml):

Zitat
XII. Uvae ut diu seruentur.

...

8. RAPAE UT DIU SERVENTUR.

Ante accuratas et compositas asperges mirtae bacis cum melle et aceto.



Wenn ich mich nicht irre, dann ist bacis aber eine Form von baca, -ae und nicht von baco, -are.

Ich würde jedenfalls baco nicht in das latin.dic aufnehmen, weil es eben in L&S formal kein Stichwort ist. Wir müssen ja irgendwo eine Grenze ziehen.

Was meinst du, Bussinchen?


Bussinchen Offline




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Tue Jan 10, 2012 6:16 pm
#2 RE: BACATUS Quote · reply

Bevor ich mich mit den eigentlichen lexikologischen Fragen befassen werde, möchte ich dir, lieber Linhart, erst mal sagen, wie toll ich diese Textstelle bei Apicius finde, die du aufgrund des L&S-Lemmaeintrags bācātus, a, um mithilfe des Eintrags bāco, āre (bāca), mit Lorbeer bestreuen, Apic. 1, 12. im Georges herausgepickt hast!

Das ist wieder mal ganz großes Kino, Linhart !!!!!!!!! Ein echtes Highlight !!!!!!!!!
Es ist eine Stelle der ganz besonderen Art innerhalb der lateinischen Literatur!!!!!!!
So eine "leckere" Stelle - einmalig!!!!!


Ich bin also erst mal ganz begeistert und schmunzele vor mich hin, denn solche "profanen" (?!) Sachen wie das Kochbuch "De re coquinaria" des Apicius haben wir im Studium nie gelesen, obwohl das doch was ganz ganz Tolles ist und uns einen wunderschönen Einblick ins Alltagsleben der Römer gibt!




This is a picture from the Apicius handwriting (ca. 900 A.C) of the Fulda monastery in Germany, which was acquired in 1929 by the New York Academy of Medicine.



Jetzt schnell zur besagten Textstelle Apic. 1, 12., die im Georges im Artikel [775] bāco, āre (bāca), mit Lorbeer bestreuen, Apic. 1, 12. angegeben ist! Es geht um die Konservierungsmethoden von Lebensmitteln in der Antike, wo es noch keine Kühlschränke und Tiefkühltruhen gab!!! Ein hochinteressantes Thema!!! Wie hat man z.B. Gemüse haltbar gemacht??? Z.B. das, was ich von meiner Zeit aus Frankreich her kenne und was die Franzosen Navets nennen? Wie kann ich Mairüben haltbar machen und längere Zeit verwahren?!

http://la.wikisource.org/wiki/De_re_coqu...t_diu_seruentur.

8. RAPAE UT DIU SERVENTUR.
Ante accuratas et compositas asperges mirtae bacis cum melle et aceto.


Damit die Mairüben lange konserviert werden (halten).
Die vorher geputzten und zusammengelegten [Rüben] wirst du bestreuen mit Beeren der Myrte zusammen mit Honig und Essig.


Und jetzt meine schöne, freie Übersetzung:

8. Mairüben konservieren:
Die Rüben putzen und übereinanderschichten, danach mit einer Marinade aus Myrtenbeeren, Honig und Essig begießen.


Linhart, wo kriegt man heutzutage Myrtenbeeren her?! Das würde ich glatt mal ausprobieren wollen - ich könnte mir vorstellen, dass das gar nicht so schlecht schmeckt! Gehen Wacholderbeeren vielleicht auch???

Hey, vielleicht sollten wir mal den Apicius genauer lesen und am Wochenende was Leckeres nach Apicius kochen!!!!



Auf http://www.scribd.com/doc/57583897/Apici...-Romana-Bilinge habe ich eine zweisprachige Ausgabe auf Lateinisch und Spanisch gefunden! Scrolle mal runter auf Seite 13 (von insgesamt 95):

8 Cómo conservar los nabos
Primeramente, limpiarlos y colocarlos con cuidado; a continuación, cubrir con bayas de mirto, miel y vinagre.






Ach, das war so schön eben!

Doch nach diesem Exkurs der Begeisterung ins Reich der altrömischen Küche werde ich mich in meinem nächsten Beitrag den wichtigen sprachlichen Fragen zuwenden!!!


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linhart Offline




Posts: 2.476

Tue Jan 10, 2012 6:53 pm
#3 RE: BACATUS - Exkurs: Absinthium Romanum Quote · reply

Bevor du aus lauter Begeisterung anfängst, nach den Rezepten des Apicius zu kochen, eine kleine Warnung: Auf der Seite
http://users.ipa.net/~tanker/apicius.htm
steht zweimal der Satz "This recipe is toxic, and should never be prepared."
Also schau bitte zuerst auf dieser Seite nach!


Bussinchen Offline




Posts: 14

Wed Jan 11, 2012 12:55 am
#4 RE: BACATUS - Exkurs: Absinthium Romanum Quote · reply

Zitat von Bussinatrix
Doch nach diesem Exkurs der Begeisterung ins Reich der altrömischen Küche werde ich mich in meinem nächsten Beitrag den wichtigen sprachlichen Fragen zuwenden!!!

Nein - doch noch nicht!


-----------------------------------------------


Was?! Wie bitte?!

Das muss ich untersuchen!!!


Das geht schneller mithilfe der spanischen Parallelübersetzung und des spanischen Kommentars und auch mit der englischen Übersetzung:

http://www.scribd.com/doc/57583897/Apici...-Romana-Bilinge

http://www.gutenberg.org/files/29728/29728-h/29728-h.htm

http://la.wikisource.org/wiki/De_re_coqu...inthium_Romanum (auf Latein)


II. Absinthium Romanum
1. ABSINTHIUM ROMANUM SIC FACIES:
Conditi Camerini praeceptis, utique pro absinthio cessante; in cuius vicem absinthi Pontici purgati terendique unciam, Thebaicam dabis, masticis, folii scripulos III, vini eius modi sextarios XVIII. Carbones amaritudo non exigit.






Spanische Übersetzung und Kommentar:

II AJENJO ROMANO
1. Se seguirá la receta del vino aromático de Cameriaen caso de que falte ajenjo romano. En su defecto, se emplearán 27 gr. de ajenjo del Ponto, previamente limpiado y triturado, un dátil de Tebas, 3 gr. de almáciga de lentisco, 3 de hoja de nardo, 6 gr. de costo, 3 de azafrán y 10 litros de vino de igual calidad. No hace falta carbón para quitar el sabor amargo.

El vino de ajenjo es medicinal, y se vendía en los comercios. La cantidad de ajenjo prescrita en esta receta es moderada, en comparación con las prescritas por los contemporáneos de Apicio. Dioscórides, lib. V, cap. 31, da la receta de vinolentiscino: 10 gr. de mosto y 6 gr. de lentisco bien pistadas en un almirez. Se mezclaban ambos ingredientes y se ponían a hervir juntos hasta que el mosto menguase una tercera parte o la mitad. Después se colaba y se guardaba. El líquido resultante se tenía por confortativo del estómago y se utilizaba para cortar las diarreas.* * *
Vemos cómo tenía mucha importancia para los Romanos fijarel lugar de procedencia de los productos utilizados en sus comidas, lo cual indica el amor y apego que sentían hacia latierra.



Englische Übersetzung:

II
[3] ROMAN VERMOUTH | ABSINTHIUM ROMANUM [1]

ROMAN VERMOUTH [or Absinth] IS MADE THUS: ACCORDING TO THE RECIPE OF CAMERINUM [2] YOU NEED WORMWOOD FROM SANTO [3] FOR ROMAN VERMOUTH OR, AS A SUBSTITUTE, WORMWOOD FROM THE PONTUS [4] CLEANED AND CRUSHED, 1 THEBAN OUNCE [5] OF IT, 6 SCRUPLES OF MASTICH, 3 EACH OF [nard] LEAVES, COSTMARY [6] AND SAFFRON AND 18 QUARTS OF ANY KIND OF MILD WINE. [Filter cold] CHARCOAL IS NOT REQUIRED BECAUSE OF THE BITTERNESS.

[1] G.-V. Apsinthium.

[2] The mention of a name in a recipe is very infrequent. Camerinum is a town in Umbria.

[3] Now Saintonge, Southern France.

[4] Black Sea Region.

[5] Weight of indefinite volume, from Thebæ, one of the several ancient cities by that name. List. thinks it is an Egyptian ounce, and that the author of the recipe must be an African.

[6] Wanting in Tor.; G.-V. costi scripulos senos.




Linhart , ist ja süß von dir , dass du mich davor warnst, angeblich giftige Rezepte nachzukochen, aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht, dass das giftig sein soll! Als wie seriös ist diese Webseite http://users.ipa.net/~tanker/apicius.htm einzustufen?! Wie wurde die Stelle übersetzt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Behauptung, der Absinth sei giftig, auf der falschen Interpretation des Ausdrucks croci scrupulos III beruht.


crŏcum, i, n., and crŏcus, i, m. (
I. fem., App. M. 10, p. 255, 30), = κροκος, saffron : Crocus sativus, Linn.; masc. usu. of the plant, neutr. of the essence, etc., but the distinction is not closely observed.
(a). Crocus, Verg. G. 4, 182; id. Cul. 399; plur. nom. croci, Ov. M. 4, 393; acc. crocos, Prop. 4 (5), 1, 16; Ov. F. 4, 442; Juv. 7, 208.—
(b). Crocum, Sall. H. 1, 80 Dietsch; Cels. 5, 11; Plin. 21, 6, 17, § 31 sq.—
(g). Gen. incert., Lucr. 2, 416; Ov. F. 1, 342; 5, 318; Sall. H. 2, 23, 2 Dietsch; Col. 9, 4, 4 al.—Frequently employed among the ancients, not only for the seasoning of food and in medicine, but transformed, by means of water and wine, to an essence, for the diffusion of a fragrant odor in theatres and other places; for anointing the hair, etc., Plin. 21, 6, 17, § 33; Sen. Ep. 90, 15; Lucr. 2, 416; Prop. 4 (5), 1, 16; Mart. 5, 25 al.; cf. Cilix and Cilissa, under Cilicia. II. a.—Hence, poet. : recte necne crocum floresque perambulet Attae Fabula si dubitem,over fragrant floors Hor. Ep. 2, 1, 79.— Crŏcus or Crŏcŏs, i, m., a youth who was metamorphosed into a saffron-flower, Ov. M. 4. 283; id. F. 5, 227; Plin. 16, 35, 63, § 154.—
II. Meton.
A. Saffron-color : picta croco et fulgenti murice vestis, Verg. A. 9, 614; cf. Lucr. 6, 1188. —
B. The yellow stamens in many flowers, Plin. 21, 5, 11, §§ 23 and 24.

croci wurde in der spanischen und englischen Übersetzung mit Safran übersetzt, was mir richtig erscheint...

Geh aber mal auf Leo.org und schlage das englische Wort saffron nach, da siehst du, dass unter meadow saffron die Herbstzeitlose angegeben ist... Tut mir leid, aber für so blöd halte ich die Römer nun nicht, dass sie ihren Wein mit Herbszeitlosenextrakten würzten, also neeee.... Dann schon eher mit Safran! Ist schon doof, dass die Engländer die Herbstzeitlose als "Wiesensafran" bezeichnen...
Ich gehe davon aus, dass der Verfasser des Textes dieser Webseite die Bezeichnungen der Zutaten falsch interpretiert hat.
Was geharzten Wein betrifft (--> mastix), verweise ich auf den heute noch in Griechenland üblichen Retsina! Das ist nicht giftig...


Dieser römische Absinth war wohl eine Art Magenbitter, gut für die Verdauung und gegen Durchfall...
Das geht dann tatsächlich in die Richtung Medikament...
(siehe den spanischen Kommentar)

Da ich selbst nicht so auf Magenbitter stehe, werde ich dieses Rezept wohl kaum ausprobieren, Linhart, sei beruhigt! Da tut's ein deutscher Jägermeister auch, der schmeckt dann schon etwas besser...

Aber ich kann wie gesagt nicht glauben, dass bei Apicius giftige Zutaten angegeben sind...






Weiteres siehe den lateinischen Caféthread!

Um dorthin zu gelangen, bitte auf die Bilder klicken --> und


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Bussinchen Offline




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Wed Jan 11, 2012 10:15 am
#5 RE: BACATUS - Exkurs: Absinthium Romanum Quote · reply

Apicius - De re coquinaria - Deutsche Übersetzung:

http://www.imperiumromanum.com/kultur/ku...picius01_03.htm

Zitat von http://www.imperiumromanum.com/kultur/ku...picius01_03.htm
Absinthium Romanum
Römischer Absinth


(Bearbeiteter) Originaltext:

Apsinthium Romanum:
apsinthium Romanum sic facies:
conditi Camerini praeceptis, utique pro apsinthio cessante; in cuius vicem apsinthi Pontici purgati terendique uncias singulas et unam Thebaicam dabis, masticis et folii scripulos III, costi scripulos senos, croci scripulos III, vini eiusmodi sextarios XVIII. Carbones amaritudo non exigit.


Deutsche Übersetzung:

Römischer Absinth:

Römischen Absinth mache auf folgende Art und Weise: nach den Rezepten für Camerinischen Gewürzwein, jedenfalls, wenn der Wermut ausgegangen ist; an Stelle von diesem gib je eine Unze gereinigten und gemahlenen Pontischen Absinth sowie eine thebaische Dattel dazu, 3 Skrupel Mastix und Gewürzblätter, 6 Skrupel Kostwurz, 3 Skrupel Safran und 18 Sextarien alten Wein. Kohlen verlangt die Bitterkeit nicht.


Verwendete Maße:

scripulum (Skrupel zu 1,14 g), 3 Skrupel = 3,42 g, 6 Skrupel = 6,84 g
sextarius (Sextar zu 0,54 l), 18 Sextarien = 9,72 l

Kommentar:

Ähnliche Rezepte gibt es von Plinius und Columella. Der Text ist im Original verdorben, sodass die Stellen mit "Mastix und Gewürzblätter" und "alten Wein" keine Übersetzung, sondern nur eine Möglichkeit aufgrund logischer Schlussfolgerung darstellt. Gewürzblätter werden im allgemeinen mit Lorbeerblättern übersetzt.


Die Übersetzung folgt weitgehend und mit Genehmigung des Reclam Verlags der Ausgabe: Apicius: De re coquinaria / Über die Kochkunst, herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Robert Maier, ISBN 978-3-15-008710-7 (c) 1991 Philipp Reclam jun.GmbH & Co., Stuttgart


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Bussinchen Offline




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Wed Jan 11, 2012 10:27 am
#6 RE: BACATUS - Exkurs: Georges --> Apicius 1, 12 auf Deutsch Quote · reply

Fortsetzung von Beitrag #2:

http://www.imperiumromanum.com/kultur/ku...picius01_24.htm

Zitat von http://www.imperiumromanum.com/kultur/ku...picius01_24.htm
Rapae ut diu serventur
Wie sich Rüben lange aufbewahren lassen


(Bearbeiteter) Originaltext:

Rapae ut diu serventur:
I. Ante accuratas et compositas perfundes myrtae bacis cum melle et aceto.
II. Aliter: sinapi tempera melle, aceto, sale, et super compositas rapas infundes.


Deutsche Übersetzung:

Wie sich Rüben lange aufbewahren lassen:
1. Schütte über die vorher sorgfältig gesäuberten und zurechtgelegten Rüben Myrtenbeeren mit Honig und Essig.
2. Auf andere Art: Schmecke Senf mit Honig, Essig und Salz ab und giesse ihn über die zurechtgelegten Rüben.


Kommentar:

Hier wurden zwei Methoden zusammengefasst, die jedoch beide im Prinzip ein süss-saures Einlegeverfahren darstellen.

Die Übersetzung folgt weitgehend und mit Genehmigung des Reclam Verlags der Ausgabe: Apicius: De re coquinaria / Über die Kochkunst, herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Robert Maier, ISBN 978-3-15-008710-7 (c) 1991 Philipp Reclam jun.GmbH & Co., Stuttgart


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linhart Offline




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Wed Jan 11, 2012 11:29 am
#7 BACATUS --> BACO, BACARE Quote · reply

So verlockend es auch sein mag, die lateinischen Rezepte weiter zu studieren, möchte ich doch auf die ursprüngliche Frage zurückkommen, ob man annehmen kann, dass es ein Verb baco, -are gegeben hat.

Nach allem, was wir bisher wissen, scheint es sich im Georges um einen Fehler zu handeln. An der angegebenen Stelle kommen keine Form von baco vor, sondern eine von baca.

Das wird auch durch das Oxford Latin Dictionary bestätigt, das ich heute in der Salzburger Uni-Bibliothek konsultiert habe. Dort gibt es nämlich kein Stichwort baco, und beim Artikel BACATUS steht auch keinerlei Hinweis auf baco.

Ich habe sogar im umfangreichen Thesaurus Linguae Latinae nachgesehen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Thesaurus_Linguae_Latinae). Auch dort ist nichts von einem Verb baco zu finden.

Damit ist für mich die Sache klar: es gibt nur das Adjektiv BACATUS mit allen Formen, aber kein Verb BACO.


Bussinchen Offline




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Wed Jan 11, 2012 12:11 pm
#8 RE: BACATUS --> BACO, BACARE Quote · reply

Zitat von linhart
So verlockend es auch sein mag, die lateinischen Rezepte weiter zu studieren, möchte ich doch auf die ursprüngliche Frage zurückkommen, ob man annehmen kann, dass es ein Verb baco, -are gegeben hat. [...]



In Eile:
Das war auch mein Ziel - die Apicius-Rezepte waren lediglich ein netter, anregender, unterhaltsamer kleiner Exkurs - weshalb ich die entsprechenden Beiträge im Nachhinein auch mit "Exkurs" gekennzeichnet habe. Ich hatte deine eigentliche Frage nicht aus den Augen verloren - wollte aber - hedonistisch/epikureisch eingestellt wie ich bin, zuerst mal meinen Spaß haben - mit Apicius! So nach dem Motto: Erst das Spiel - dann die Arbeit ...

Du hast mittlerweile offenschtlich ganz phantastische Recherchen angestellt, die ich demnächst kommentieren werde.
Dann aber wirklich! Versprochen!


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Bussinchen Offline




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Sat Jan 21, 2012 3:35 am
#9 RE: BACATUS --> BACO, BACARE Quote · reply

Zitat von linhart
So verlockend es auch sein mag, die lateinischen Rezepte weiter zu studieren, möchte ich doch auf die ursprüngliche Frage zurückkommen, ob man annehmen kann, dass es ein Verb baco, -are gegeben hat.
Nach allem, was wir bisher wissen, scheint es sich im Georges um einen Fehler zu handeln. An der angegebenen Stelle kommen keine Form von baco vor, sondern eine von baca.
Das wird auch durch das Oxford Latin Dictionary bestätigt, das ich heute in der Salzburger Uni-Bibliothek konsultiert habe. Dort gibt es nämlich kein Stichwort baco, und beim Artikel BACATUS steht auch keinerlei Hinweis auf baco.
Ich habe sogar im umfangreichen Thesaurus Linguae Latinae nachgesehen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Thesaurus_Linguae_Latinae). Auch dort ist nichts von einem Verb baco zu finden.
Damit ist für mich die Sache klar: es gibt nur das Adjektiv BACATUS mit allen Formen, aber kein Verb BACO.



Lieber Linhart,

zunächst mal allerherzlichen Dank für all die Mühe, die du dir gemacht hast, indem du in die Uni-Bibliothek gegangen bist, um dort vor Ort in den einschlägigen Werken zu recherchieren!



Georges:

Ich habe mir auch Gedanken gemacht und mal überlegt, was es für Gründe geben könnte, warum Georges das Verb baco als eigenes Stichwort mit der Quellenangabe Apicius 1, 12 aufführt. Es gäbe zwei Möglichkeiten: Entweder die Apicius-Stelle ist falsch beziffert, oder es gibt vielleicht eine Lesart, von der wir gar nichts wissen.

Wenn ich mir den Apicius-Satz (Apic. 1,12) anschaue:
Ante accuratas et compositas asperges mirtae bacis cum melle et aceto.
- dann müsste analog zu dem Verb asperges, das in der 2. Person Singular Futur Aktiv steht, auch ein Verb bacare in der 2. Person Singular Futur Aktiv stehen, so wie es in anderen Apicius-Rezepten auch der Fall ist, wie etwa in unserem ominösen, giftig-leckeren Magenbitter-Rezept...
Das wäre dann die Form bacabis. Mir scheint, dass die 2. Person Singular Futur die übliche Ausdrucksweise in Rezepten war.

Ich versuche mal, den Satz mit bacabis grob, aber grammatisch einwandfrei zu übersetzen:
* Ante accuratas et compositas asperges mirtae bacabis cum melle et aceto

Die vorher geputzten und zusammengelegten [Rüben] wirst du bespritzen zusammen mit Honig und Essig der Myrte wirst du mit Beeren bestreuen...

Es haut nicht hin, Linhart. Der Satz ergibt grammatisch keinen Sinn... Ich wüsste nicht, wie ich den Satz mitsamt dem Verb bacabis hindrehen sollte, damit das grammatisch vertretbar wäre... Abgesehen davon ist die Wortfolge sehr seltsam... oder es fehlt ein et zwischen asperges und bacabis...

Daher würde ich mal sagen, von der Syntax her ist es höchst unwahrscheinlich, dass hier in irgendeiner Handschrift ein Verb bacare gestanden haben kann... Und wenn, dann wäre hier eine qualifizierte Emendation mehr als angebracht.

Wenn allerdings die Apicius-Stelle im Georges nur falsch beziffert wäre und das Verb bacare irgendwo anders belegt wäre, dann wäre es doch wahrscheinlich, dass irgendeines der anderen einschlägigen Wörterbücher diese andere Apicius-Stelle erwähnt hätte, was jedoch nicht der Fall ist.

Fazit:
Ich gehe mit dir in der Meinung konform, lieber Linhart, dass es sich hier im Georges um einen Fehler handeln muss.

Wie es zu so einem Fehler kommen konnte, ist mir nicht klar.


OLD, Langenscheidt:

Du schriebst, dass es im OLD kein Stichwort baco und im Artikel BACATUS auch keinen Hinweis auf baco gibt.
So ist es auch im Langenscheidt, wo nur BACATUS einen Stichworteintrag hat. Von einem Verb baco ist nirgends die Rede.
Im Langenscheidt steht, dass BACATUS (mit Perlen versehen, Perlen-...) dichterisch gebraucht wurde.

Thesaurus Linguae Latinae:

Der Thesaurus ist ein zuverlässiges Werk, das in Fachkreisen höchstes Ansehen genießt und das in allen Bibliotheken der Institute der Klass. Philologie und in Universitätsbibliotheken steht. Wenn der Thesaurus kein Verb bacare kennt, dann schenke ich dem Thesaurus mehr Glauben als dem L&S, da der Thesaurus meines Erachtens im Rang höher steht als L&S, Georges und OLD zusammmen.






L&S:





bācātus, a, um, of a verb not otherwise in use, bāco, āre [baca, II. B. 1.], set or adorned with pearls, pearl - (very rare): monile, * Verg. A. 1, 655; Sil. 8, 134; Lampr. Alex. Sev. 41.


Linhart, du schriebst im Beitrag #1:
"Ich würde jedenfalls baco nicht in das latin.dic aufnehmen, weil es eben in L&S formal kein Stichwort ist. Wir müssen ja irgendwo eine Grenze ziehen."


Meine Überlegungen:

• Die Angaben im Thesaurus, OLD, Langenscheidt sprechen eindeutig gegen die Aufnahme von baco, bacare ins latin.dic.
• Georges spricht indirekt aufgrund der nicht zuverlässigen, eindeutig falschen Angaben ebenfalls gegen die Aufnahme von baco, bacare.
Gegen die Aufnahme spräche außerdem die Tatsache, dass das Verb baco im L&S keinen eigenen Lemmaeintrag hat.

Für die Aufnahme spräche die Tatsache, dass die Verbform baco im L&S-Artikel fett gedruckt ist.
• Da sich unsere Grundsatzentscheidung http://17085.homepagemodules.de/t1113f32...lich-waren.html nur auf lemmatisierte Wortformen/Wörter, d.h. auf Wörter, die einen eigenen Stichworteintrag im L&S haben, bezieht, sind wir nicht gezwungen, diese Regel anzuwenden.

• Da es sich auch nicht um eine Collateral Form (vgl. hierzu mein Plädoyer auf http://17085.homepagemodules.de/t1154f32...html#msg9869661 ganz oben im Beitrag), sondern vielmehr um eine aus dem Adjektiv (oder Partizip?) logisch rückerschlossene, jedoch nirgends belegte Verbform handelt, sind wir auch nicht gezwungen, uns an unsere bisher für die Collateral Forms aufgestellten Richtlinien zu halten.


Mein Fazit:

Ich halte in diesem Fall Linharts Vorschlag, das äußerst grenzwertige BACO, BACARE nicht ins latin.dic aufzunehmen, obwohl es im L&S-Artikel zu BACATUS fett gedruckt ist, für vernünftig.

Ich schließe mich daher Linhart an und plädiere ebenfalls für BACO, BACARE ungültig.
BACO, BACARE wird daher nicht ins latin.dic aufgenommen, auch nicht in irgendeine der abwählbaren Kategorien. Wir halten die Nennung des Verbs im L&S-Artikel schlichtweg für falsch.


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