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 Duden
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Scotty Offline

Administrator


Posts: 3.600

Thu Jun 11, 2009 9:27 am
#1 Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden - am Beispiel von DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

Wieso dürfen eigentlich viele arabische Wörter so beliebig behandelt werden? Ich würde niemals DHAU ohne H schreiben (es sei denn als Abkürzung). Wozu ist ein Duden gut, wenn dort doch alle möglichen Schreibweisen aufgeführt werden!


Bussinchen Online




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Fri Jun 12, 2009 10:01 pm
#2 RE: Spezialwortschatz für alle, die gern gewinnen wollen Quote · reply

auf|wäl|ti|gen (Bergmannsspr.; vgl. gewältigen)
kir|nen (landsch. für buttern; [Erbsen] ausschoten)
Lob, der; -[s], -s <engl.> (Tennis einen hohen Bogen beschreibender Ball)
lob|ben (einen Lob schlagen)


Bussinchen Online




Posts: 9

Sat Jun 13, 2009 12:08 am
#3 DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

Zitat von Scotty
Wieso dürfen eigentlich viele arabische Wörter so beliebig behandelt werden? Ich würde niemals DHAU ohne H schreiben (es sei denn als Abkürzung). Wozu ist ein Duden gut, wenn dort doch alle möglichen Schreibweisen aufgeführt werden!

Hallo Scotty!

Ich habe da so meine Theorie, die ich u.a. aus meinen (elementaren) Kenntnissen des Chinesischen ableite. (Vom Arabischen habe ich keine Ahnung. Aber ich will mal meine Logik einsetzen.)

Wenn Ausdrücke aus Sprachen, die andere Schriftsysteme als das lateinische Alphabet benutzen, in europäische Sprachen (in unserem Fall etwa das Deutsche) übernommen werden (oder auch wenn ganze Texte aus irgendwelchen Gründen mit lateinischen Buchstaben transkribiert werden sollen), kommt es spätestens dann zu Problemen, wenn Laute wiedergegeben werden müssen, für die es in der lateinischen Schrift gar keine Zeichen (Buchstaben) gibt, weil diese Laute in der entsprechenden Sprache nicht vorkommen. Eigentlich haben wir dieses Problem schon innerhalb der europäischen Sprachen, nur wir denken im Allgemeinen nicht mehr daran. Nimm z.B. mal den Laut /sch/ wie in "schreiben", für dessen Darstellung im Deutschen gleich 3 Buchstaben nötig sind,
s + c + h. In anderen Sprachen, z.B. dem Französischen, verwendet man nur 2 Buchstaben, c + h, um den gleichen Laut /sch/ wiederzugeben, im Englischen ist es s + h. Das Lateinische kannte nämlich kein /sch/ und benötigte daher für diesen Laut auch kein Schriftzeichen (= keinen Buchstaben). Welche Behelfskombinationen von befindlichen Buchstaben in der jeweiligen Sprache letztlich verwendet werden, hängt von den Rechtschreibregeln der jeweiligen Sprache ab.

Wenn nun Sprachen wie das Arabische oder das Chinesische mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden sollen, muss man sich möglichst auf ein einheitliches System einigen, das gewissen Kriterien gerecht wird.

Für das Beispiel von Peking vs. Beijing im Chinesischen sei der Einfachkeit halber aus http://www.wer-weiss-was.de/theme143/article2398732.html zitiert:

"Das inzwischen veraltete Pe-King ist übrigens ebenfalls eine normierte Romanisierungsform gewesen aus dem Transkriptionssystem von Couvreur (1911), das auch in der deutschen Sinologie verwendet wurde (daher schrieb man z.B. Lao Tse für Laozi und Tao Te King für Daodejing). Die Aussprache nach dem Couvreur-System war übrigens nicht anders als die von Beijing. Die "deutsche" (falsche) Ausprache hätte man in diesem System P'eh-K'ing schreiben müssen, aber diese Laute gibt es im Chin. gar nicht.
Die "englische" Schreibweise richtete sich dagegen nach dem System von Wade-Giles (1912), in der man Pei-Ching schrieb. Dieses System löste das ältere System von Morrison (1819) ab, in dem man wiederum Pe-King schrieb. Und das wurde als Peking auch im englischen Sprachraum bis 1956 beibehalten."

Die Schreibung Beijing ist Pinyin, die normierte Form der Romanisierung, die 1956 in China für offiziell erklärt wurde und die dann auch im Deutschen geläufig wurde. Die tatsächliche Aussprache klingt ungefähr so: Bejdsching (allerdings mit stimmhaftem sch, das im Deutschen gar nicht vorkommt) - eine Schreibung, die für den deutschen Sprachraum durchaus auch denkbar wäre - aber eben nur für den deutschen Sprachraum. Andere Sprachen müssten wieder anders transkribieren, um die Lautung nach ihren Rechtschreibregeln wiederzugeben. Daher kommt es auch, dass z.B. russische Namen wie Горбачёв im Deutschen "Gorbatschow", im Französichen "Gorbatchev", im Schwedischen "Gorbatjov" und im Englischen "Gorbachev" geschrieben werden.

Man sieht also, dass zum einen verschiedene Erfinder verschiedene Systeme entwickelt haben, die miteinander konkurrieren, und zum anderen in verschiedenen Sprachen verschiedene Rechtschreibregeln angewandt werden, um ein und dieselbe originalsprachliche Lautung wiederzugeben. Es gibt darüber hinaus aber auch Systeme, die versuchen, die originalsprachliche Schreibweise möglichst genau wiederzugeben (Transliteration).

Was nun den Duden-Eintrag DAU bzw. DHAU betrifft, könnte ich mir vorstellen, dass hier ebenfalls zwei verschiedene Transkriptionssysteme miteinander konkurrieren.

Ich habe aus eigenem Interesse mal ein bisschen gegoogelt und tatsächlich etwas gefunden, was meinen Verdacht bestätigt:

http://islamwissenschaft.uni-hd.de/mater...anskription.pdf:
Hier liest man, dass die sogenannte DMG-Umschrift für den entsprechenden arabischen Buchstaben (Dhal) ein einfaches, allerdings unterstrichenes d verwendet, während die EI-Umschrift für den gleichen Laut die beiden Grapheme d + h (dh) einsetzt. Für den Buchstaben Dal verwenden beide Umschriftsysteme ein einfaches d. [In dieser Tabelle fehlt leider die phonetische Wiedergabe mithilfe von Lautschrift (etwa IPA).]

http://de.wikipedia.org/wiki/Arabisches_Alphabet#Buchstaben:
Der 8. Buchstabe des arabischen Alphabets heißt Dāl und wird wie ein normales deutsches d ausgesprochen.
Der 9. Buchstabe des arabischen Alphabets heißt Dhāl und wird wie ein stimmhaftes englisches th wie in „this“ (dh) ausgesprochen.

Klicken auf die Links Dāl und Dhāl ergibt Folgendes:

http://de.wikipedia.org/wiki/D%C4%81l
Das Dal entspricht dem deutschen D in „Dora“. Es wird daher in der DMG-Umschrift mit „d“ wiedergegeben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dh%C4%81l
Im Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Buchstaben ist das Dhal nicht direkt aus einem phönizischen Buchstaben hervorgegangen. In der Frühzeit der arabischen Sprache fehlten noch die diakritischen Punkte, Dhal wurde genau so wie das Dal geschrieben. Zur Unterscheidung der beiden Buchstaben wurde dem Dhal später ein Punkt hinzugefügt. [...]
Das Dhal entspricht dem stimmhaften englischen „th“-Laut in this oder that. In der DMG-Umschrift wird Dhal als unterstrichenes „d“ wiedergegeben. In der nichtwissenschaftlichen Umschrift wird meist „dh“ verwendet. In der IPA-Lautschrift entspricht er dem [ð].

Ich vermute stark, dass hier einer der Gründe liegt, warum DAU oder DHAU geschrieben werden kann.

Fazit:
1. Es gibt unterschiedliche Transkriptionssysteme (DMG- und EI-Umschrift). Unterstreichungen von lateinischen Buchstaben - wie sie die DMG-Umschrift vorsieht - sind in den europäischen Sprachen aber normalerweise keine geläufigen diakritischen Zeichen wie etwa Akzente, Hatschek u. dgl. und würden deutsche Schreiber wahrscheinlich nur verwirren.
2. In der frühen arabischen Schrift wurde gar nicht zwischen Dal und Dhal unterschieden, sondern beide Laute wurden mit demselben Schriftzeichen (ohne Punkt) wiedergegeben. Daher könnte es bei der Transkription auch zu Verwechslungen bzw. zu einer bewussten Beibehaltung der altertümlichen arabischen Schreibweise in der Transkription bzw. Transliteration gekommen sein.
3. Streng genommen müsste man genau unterscheiden zwischen Transkription und Transliteration http://de.wikipedia.org/wiki/Transliteration). Aber ich will hier jetzt nicht zu weit ausschweifen und mich eingehender mit den Umschrift-Systemen des Arabischen befassen. Ich stelle einfach mal so in den Raum, dass es durchaus sein könnte, dass dieser Aspekt ebenfalls eine Rolle spielt.

Meine Schlussfolgerung in Bezug auf den Duden:
Den Duden trifft hier ausnahmsweise mal keine Schuld, wenn er beide Schreibungen DAU und DHAU zulässt.

Und du, Scotty, darfst ruhig auch DAU schreiben, ohne dass du dir deswegen einen Kopf machen musst. Analog darfst du PEKING oder BEIJING schreiben, beides ist richtig, es sind nur unterschiedliche Transskriptionssysteme, die zugrunde liegen.


Gruß, Bussinchen


PS:
tran|skri|bie|ren <lat.> (Sprachw. einen Text in eine andere Schrift, z. B. eine phonet. Umschrift, übertragen; Wörter aus Sprachen, die keine Lateinschrift haben, annähernd lautgerecht in Lateinschrift wiedergeben [vgl. Transliteration]; Musik umsetzen)
© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM]


linhart Offline




Posts: 2.463

Sat Jun 13, 2009 7:25 am
#4 RE: DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

Hallo Bussinchen,

danke für deine hervorragende Analyse. Ich beschäftige mich seit Jahren hobbymäßig mit der arabischen und vor allem der persischen Sprache (die auch die arabische Schrift verwendet) und kann nur bestätigen, was du geschrieben hast. Hinzu kommt noch, dass ein und derselbe Buchstabe in verschiedenen Teilen des arabisch-persischen Sprachraums oft verschieden ausgesprochen wird. Z.B. wird der Buchstabe dschim (stimmhaftes dsch) in Ägypten wie ein g ausgesprochen.

Trotzdem verstehe ich auch das Anliegen von Scotty. Es kommt nämlich nicht nur bei transkribierten Wörtern immer wieder vor, dass der Duden mehrere Schreibweisen zulässt, wo er doch auch reglementierend wirken sollte. Aber das hängt wohl hauptsächlich mit der Rechtschreibreform zusammen.

Gruß,
Hans.


Gero Offline




Posts: 2.613

Sat Jun 13, 2009 8:42 am
#5 RE: DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply
Ich darf mich dem Lob von Hans nur anschliessen. Bussinchen, du hast hervorragend recherchiert. Danke!
Mal sehen, ob PINYIN den Sprung die die 25. Auflage geschafft hat. Ich tipp mal auf ja ....

Gero

Bussinchen Online




Posts: 9

Sat Jun 13, 2009 4:47 pm
#6 RE: DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

Danke Linhart!
Wie interessant, dass du dich mit Arabisch und Persisch befasst! Daher freut es mich außerordentlich zu hören, dass du als "Experte" mir Laien auf dem Gebiet der Arabistik und meinen linguistischen Ausführungen unten beipflichtest. Dann lag ich mit meiner Theorie also richtig. Wie schön!

Hallo Scotty!
In normalen deutschen Texten: Wenn du lieber DHAU schreibst, dann tu das doch einfach. Dann kann der Leser gleich erkennen, dass es sich um ein (wahrscheinlich arabisches) Fremdwort handelt, denn die Konsonantenkombination DH kommst ansonsten im Deutschen nicht vor und wirkt daher auf Anhieb fremd. Wenn jemand DAU schreibt, dann sieht das nach den deutschen Rechtschreibregeln gar nicht so merkwürdig aus, sondern fügt sich problemlos in die Reihe BAU, GAU, HAU, KAU, LAU usw. ein. Ohne das H erkennt man die Herkunft des Wortes nicht mehr. Es wirkt dann irgendwie mehr eingedeutscht als DHAU mit H.
Beim Scrabblen - DAU und DHAU: Sei doch froh, dass du mehr Varianten legen darfst und dass du deine Chancen zu gewinnen erhöhst!

Lieben Gruß an euch alle von eurem Bussinchen


Bussinchen Online




Posts: 9

Sat Jun 13, 2009 4:49 pm
#7 RE: PINYIN Quote · reply
Zitat von Gero
Ich darf mich dem Lob von Hans nur anschliessen. Bussinchen, du hast hervorragend recherchiert. Danke!
Mal sehen, ob PINYIN den Sprung die die 25. Auflage geschafft hat. Ich tipp mal auf ja ....
Gero


Danke!

Wenn PINYIN nicht drinsteht, dann rast ich echt aus!


Scotty Offline

Administrator


Posts: 3.600

Sat Jun 13, 2009 6:02 pm
#8 RE: DHAU Quote · reply

Danke für Deine Erläuterungen. Ich werde ausnahmsweise dem Duden vergeben.
"Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch ein Gartenzwerg" (Element of Crime, Romantik)


Bussinchen Online




Posts: 9

Sat Jun 13, 2009 6:18 pm
#9 RE: DHAU Quote · reply

Eigentlich find ich's total witzig, dass sich hier im Forum einige Leute tummeln, die sich so sehr für Sprachen interessieren und eine ganze Menge davon verstehen!
Was decken wir jetzt schon alles ab - - - ??

Deutsch (inkl. Österreichisch und Schweizerisch) - Französisch - Italienisch - Englisch - Schwedisch - Niederländisch - Ungarisch - Russisch - Chinesisch (Mandarin) - Arabisch - Persisch - Hebräisch - Jiddisch - - - ... Latein ... Altgriechisch ...

Was fehlt noch?
Bitte ergänzen!

(PS: Hm, Im Forum wurde das Layout der Buttons für gewisse Features geändert. Ich sehe auch, dass es ganz neue Features gibt. Hm, da muss man sich erst mal umgewöhnen... Dabei bin ich doch so ein Gewohnheitstier!)


Bussinchen Online




Posts: 9

Sat Jun 13, 2009 10:05 pm
#10 RE: DHAU vs. DAU - Weiterführender Exkurs zum Thema Transliteration/Transkription Quote · reply

Nachtrag 1

Transliterationsystem

Zur Darstellung der arabischen Schrift in lateinischer Schrift bedient man sich dreier wissenschaftlicher Umschriften. Im deutschen Sprachraum bedient man sich der Umschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG).
Im englischsprachigen Raum wird die Umschrift der Encyclopaedia of Islam (EI) benutzt.
Bei der Wiedergabe osmanischer Texte verwendet man heute mehr und mehr die Umschrift der Islam Ansiklopedisi (IA).
In der früheren Literatur gibt es deshalb eine Vielzahl von Möglichkeiten wie osmanische Texte bzw. Wörter wiedergegeben wurden. Davon abgesehen haben sich einige Wörter in die deutsche Sprache in ihrer Schreibweise eingegliedert.

Quelle: http://www.osmanischesreich.com/Kunst_Ku...h_turkisch.html


Nachtrag 2

Arabica ist ein Programm, das es erlaubt, in Microsoft Word arabische und persische Texte zu schreiben. [...]
Arabica wandelt transkribierten Text in "richtiges" Arabisch um und hilft Ihnen bei der Arbeit mit Umschrift.
Arabica erwartet den Text standardmäßig in der Umschrift nach den Regeln der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG). Die DMG-Umschrift ist das beste verfügbare Transkriptionssystem im deutschsprachigen Raum und für Fachliteratur verbindlich.

Quelle:
http://www.arabica-online.com/index_de.php
http://www.arabica-online.com/de/helpdoc...nvertieren.html


Nachtrag 3

Auf einer europäischen Tastatur kann man am PC mittels Pinyin-Eingabe Chinesisch direkt in chinesicher Schrift schreiben, sofern diese auf dem PC installiert ist (Start > Einstellungen > Systemsteuerung > Regions- und Sprachoptionen; usw.) und man die Sprache bzw. Tastatur im Systemtray auf Chinesisch umgestellt hat. Das in lateinischer Schrift eingegebene Pinyin wird mittels Worterkennung direkt in Sinogramme (chin. Schriftzeichen) umgewandelt. Bei Homophonen bzw. Homographen (Wörtern, die gleich klingen bzw. in lateinischer Schrift gleich geschrieben werden, aber unterschiedliche Bedeutung haben und demnach auch unterschiedliche Sinogramme haben) bietet der Rechner eine Reihe von in Frage kommenden Sinogrammen an, von denen der Schreiber per Mausklick dann das richtige auswählt.
Das ist recht faszinierend!
Übrigens machen es die Chinesen selbst auch so. Tausende und Abertausende von chinesischen Schriftzeichen auf einer kleinen PC-Tastatur - das wäre denn doch ein bisschen zu unübersichtlich!

(Quelle: Bussinchens eigene Erfahrung)

-----------

Verzeihung für diesen nachträglichen Exkurs, der ja nun wirklich nichts mehr mit Scrabble oder dem Duden zu tun hat. Ich musste das aber einfach noch loswerden. Vielleicht interessiert es doch den einen oder anderen von euch.

------------

@ Linhart:
Weißt du vielleicht, ob man auf einem europäischen Windows bzw. mit europäischer Tastatur direkt über die Eingabe einer offiziellen lateinischen Umschrift Arabisch (oder andere Sprachen, die das arabische Alphabet benutzen) auch ohne das oben genannte separate Programm Arabica - analog zu dem, was ich im Nachtrag 3 geschrieben habe - schreiben kann?


Bussinchen Online




Posts: 9

Sun Jun 14, 2009 1:05 am
#11 RE: Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden Quote · reply

Zitat von linhart
Trotzdem verstehe ich auch das Anliegen von Scotty. Es kommt nämlich nicht nur bei transkribierten Wörtern immer wieder vor, dass der Duden mehrere Schreibweisen zulässt, wo er doch auch reglementierend wirken sollte. Aber das hängt wohl hauptsächlich mit der Rechtschreibreform zusammen.


Ich denke mal, dass seit dem Inkrafttreten der Rechtschreibreform noch zu kurze Zeit vergangen ist, als dass der Duden es sich erlauben kann, alle ordentlichen und gebildeten Leute, die weiterhin nach den alten Regeln schreiben, die sie brav in der Schule gelernt hatten, als notorische Falschschreiber und als ungebildet hinzustellen. Das käme einem Affront gleich. Da ist es den Schreibern gegenüber doch viel höflicher, wenn der Duden neben den neuen, rot gedruckten Schreibweisen die alten Schreibungen noch mit angibt und zulässt.
Ich finde, dass der Duden zwar präskriptiv ist, aber gerade aufgrund der zweifachen parallel gültigen Schreibweisen nicht autoritär oder diktatorisch präskriptiv, sondern eher flexibel oder liberal präskriptiv, wenn ich das mal so sagen darf. Ich persönlich habe damit keine Probleme. Die Probleme, die ich mit dem Duden habe, liegen auf einer ganz anderen Ebene.

Häufig zeigen die zweifach zulässigen Schreibweisen auch, dass sich die Linguisten selbst nicht darüber einig sind, wie ein Wort zu klassifizieren ist.

Nehmen wir mal das Beispiel
auf|grund, auf Grund Präp. mit Gen.; aufgrund od. auf Grund des Wetters; aufgrund od. auf Grund dessen © Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM]
Handelt es sich bei dem Ausdruck nun um eine Präposition + Substantiv mit nachfolgendem Genitiv oder nachfolgender Konstruktion mit "von"? Oder handelt es sich um eine "fülligere" (verschmolzene) Präposition mit Genitiv? Das ist im Grunde gar nicht zu bestimmen. Beide Interpretationsmöglichkeiten sind richtig bzw. denkbar.

Wie ist es mit
statt|des|sen; die Kanzlerin konnte nicht kommen, stattdessen (dafür) schickte sie einen Minister; vgl. 1statt
© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM] ?
Hier plötzlich sagt der Duden seit der Rechtschreibreform autoritär präskriptiv, es handele sich um ein Konjunktionaladverb (vgl. Grammatik-Duden 2006, 7.Aufl., § 864 - 866) und eben nicht mehr um eine Präposition mit nachfolgendem Genitiv. Warum? Was war falsch an der alten Sichtweise? Liegt jetzt eine Analogiebildung zu "trotzdem" vor, das man schon vor der Reform nicht mehr als Präposition (hier) mit Dativ interpretierte (wahrscheinlich gerade aufgrund des Dativs statt des sonst standardsprachlichen Genitivs nach "trotz", obwohl unter gewissen Voraussetzungen der Dativ hier ebenfalls standardsprchlich zulässig ist)? Wahrscheinlich.
Aber warum bildet man dann nicht auch gleich noch ein Konjunktionaladverb aus "auf Grund dessen" bzw. "aufgrund dessen" => "aufgrunddessen"? Hier bleibt man bei der Sichtweise, dass es sich nach wie vor um eine Präposition (+ Subst.) mit Genitiv handele. Hat man Bedenken gegen die Verschmelzung dreier Bestandteile zu einem Ganzen?

Was ich damit sagen will, ist, dass es oftmals gar nicht so leicht ist, sich auf eine einheitliche und gleichzeitig logisch nachvollziehbare Norm zu einigen. Man kann so oder so argumentieren. Doppelte Schreibweisen spiegeln diese Problematik wider, und das gerade im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung in Kombination mit Groß- und Kleinschreibung.


Gero Offline




Posts: 2.613

Sun Jun 14, 2009 8:35 am
#12 RE: Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden Quote · reply

ich finde diese Beiträge sehr interessant, nur:

sie wären einen eigenen Thread in der Rubrik: Duden - sprachwissenschaftliche Diskussionen
wert

Gero


Bussinchen Online




Posts: 9

Sun Jun 14, 2009 10:57 am
#13 RE: Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden Quote · reply

@ Gero:

Stimmt. Eigentlich hast du Recht. Es ist halt wie in einer normalen Diskussion, wo man auch manchmal plötzliche Gedankensprünge macht. Und dann vergisst man, dass es hier im Forum verschiedene Threads dafür gibt.

@ Allgemeinheit:

Ich habe meine Beiträge hinüber in einen neuen Duden-Thread kopiert.
Allerdings habe ich nicht die Zugriffsrechte, um auch die Antworten von euch mit hinüberzukopieren (oder: hinüber zu kopieren?). Das müsste gegebenenfalls unser Scotty machen.
Ich lasse meine Beiträge daher weiterhin hier in diesem Thread stehen. Würde ich sie löschen, dann hingen eure Dialogbeiträge quasi in der Luft, und das will ich natürlich nicht.


Bussinchen Online




Posts: 9

Sun Jun 14, 2009 11:05 am
Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden - am Beispiel von DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

Zitat von Scotty
Wieso dürfen eigentlich viele arabische Wörter so beliebig behandelt werden? Ich würde niemals DHAU ohne H schreiben (es sei denn als Abkürzung). Wozu ist ein Duden gut, wenn dort doch alle möglichen Schreibweisen aufgeführt werden!

Hallo Scotty!

Ich habe da so meine Theorie, die ich u.a. aus meinen (elementaren) Kenntnissen des Chinesischen ableite. (Vom Arabischen habe ich keine Ahnung. Aber ich will mal meine Logik einsetzen.)

Wenn Ausdrücke aus Sprachen, die andere Schriftsysteme als das lateinische Alphabet benutzen, in europäische Sprachen (in unserem Fall etwa das Deutsche) übernommen werden (oder auch wenn ganze Texte aus irgendwelchen Gründen mit lateinischen Buchstaben transkribiert werden sollen), kommt es spätestens dann zu Problemen, wenn Laute wiedergegeben werden müssen, für die es in der lateinischen Schrift gar keine Zeichen (Buchstaben) gibt, weil diese Laute in der entsprechenden Sprache nicht vorkommen. Eigentlich haben wir dieses Problem schon innerhalb der europäischen Sprachen, nur wir denken im Allgemeinen nicht mehr daran. Nimm z.B. mal den Laut /sch/ wie in "schreiben", für dessen Darstellung im Deutschen gleich 3 Buchstaben nötig sind,
s + c + h. In anderen Sprachen, z.B. dem Französischen, verwendet man nur 2 Buchstaben, c + h, um den gleichen Laut /sch/ wiederzugeben, im Englischen ist es s + h. Das Lateinische kannte nämlich kein /sch/ und benötigte daher für diesen Laut auch kein Schriftzeichen (= keinen Buchstaben). Welche Behelfskombinationen von befindlichen Buchstaben in der jeweiligen Sprache letztlich verwendet werden, hängt von den Rechtschreibregeln der jeweiligen Sprache ab.

Wenn nun Sprachen wie das Arabische oder das Chinesische mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden sollen, muss man sich möglichst auf ein einheitliches System einigen, das gewissen Kriterien gerecht wird.

Für das Beispiel von Peking vs. Beijing im Chinesischen sei der Einfachkeit halber aus http://www.wer-weiss-was.de/theme143/article2398732.html zitiert:

"Das inzwischen veraltete Pe-King ist übrigens ebenfalls eine normierte Romanisierungsform gewesen aus dem Transkriptionssystem von Couvreur (1911), das auch in der deutschen Sinologie verwendet wurde (daher schrieb man z.B. Lao Tse für Laozi und Tao Te King für Daodejing). Die Aussprache nach dem Couvreur-System war übrigens nicht anders als die von Beijing. Die "deutsche" (falsche) Ausprache hätte man in diesem System P'eh-K'ing schreiben müssen, aber diese Laute gibt es im Chin. gar nicht.
Die "englische" Schreibweise richtete sich dagegen nach dem System von Wade-Giles (1912), in der man Pei-Ching schrieb. Dieses System löste das ältere System von Morrison (1819) ab, in dem man wiederum Pe-King schrieb. Und das wurde als Peking auch im englischen Sprachraum bis 1956 beibehalten."

Die Schreibung Beijing ist Pinyin, die normierte Form der Romanisierung, die 1956 in China für offiziell erklärt wurde und die dann auch im Deutschen geläufig wurde. Die tatsächliche Aussprache klingt ungefähr so: Bejdsching (allerdings mit stimmhaftem sch, das im Deutschen gar nicht vorkommt) - eine Schreibung, die für den deutschen Sprachraum durchaus auch denkbar wäre - aber eben nur für den deutschen Sprachraum. Andere Sprachen müssten wieder anders transkribieren, um die Lautung nach ihren Rechtschreibregeln wiederzugeben. Daher kommt es auch, dass z.B. russische Namen wie Горбачёв im Deutschen "Gorbatschow", im Französichen "Gorbatchev", im Schwedischen "Gorbatjov" und im Englischen "Gorbachev" geschrieben werden.

Man sieht also, dass zum einen verschiedene Erfinder verschiedene Systeme entwickelt haben, die miteinander konkurrieren, und zum anderen in verschiedenen Sprachen verschiedene Rechtschreibregeln angewandt werden, um ein und dieselbe originalsprachliche Lautung wiederzugeben. Es gibt darüber hinaus aber auch Systeme, die versuchen, die originalsprachliche Schreibweise möglichst genau wiederzugeben (Transliteration).

Was nun den Duden-Eintrag DAU bzw. DHAU betrifft, könnte ich mir vorstellen, dass hier ebenfalls zwei verschiedene Transkriptionssysteme miteinander konkurrieren.

Ich habe aus eigenem Interesse mal ein bisschen gegoogelt und tatsächlich etwas gefunden, was meinen Verdacht bestätigt:

http://islamwissenschaft.uni-hd.de/mater...anskription.pdf:
Hier liest man, dass die sogenannte DMG-Umschrift für den entsprechenden arabischen Buchstaben (Dhal) ein einfaches, allerdings unterstrichenes d verwendet, während die EI-Umschrift für den gleichen Laut die beiden Grapheme d + h (dh) einsetzt. Für den Buchstaben Dal verwenden beide Umschriftsysteme ein einfaches d. [In dieser Tabelle fehlt leider die phonetische Wiedergabe mithilfe von Lautschrift (etwa IPA).]

http://de.wikipedia.org/wiki/Arabisches_Alphabet#Buchstaben:
Der 8. Buchstabe des arabischen Alphabets heißt Dāl und wird wie ein normales deutsches d ausgesprochen.
Der 9. Buchstabe des arabischen Alphabets heißt Dhāl und wird wie ein stimmhaftes englisches th wie in „this“ (dh) ausgesprochen.

Klicken auf die Links Dāl und Dhāl ergibt Folgendes:

http://de.wikipedia.org/wiki/D%C4%81l
Das Dal entspricht dem deutschen D in „Dora“. Es wird daher in der DMG-Umschrift mit „d“ wiedergegeben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dh%C4%81l
Im Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Buchstaben ist das Dhal nicht direkt aus einem phönizischen Buchstaben hervorgegangen. In der Frühzeit der arabischen Sprache fehlten noch die diakritischen Punkte, Dhal wurde genau so wie das Dal geschrieben. Zur Unterscheidung der beiden Buchstaben wurde dem Dhal später ein Punkt hinzugefügt. [...]
Das Dhal entspricht dem stimmhaften englischen „th“-Laut in this oder that. In der DMG-Umschrift wird Dhal als unterstrichenes „d“ wiedergegeben. In der nichtwissenschaftlichen Umschrift wird meist „dh“ verwendet. In der IPA-Lautschrift entspricht er dem [ð].

Ich vermute stark, dass hier einer der Gründe liegt, warum DAU oder DHAU geschrieben werden kann.

Fazit:
1. Es gibt unterschiedliche Transkriptionssysteme (DMG- und EI-Umschrift). Unterstreichungen von lateinischen Buchstaben - wie sie die DMG-Umschrift vorsieht - sind in den europäischen Sprachen aber normalerweise keine geläufigen diakritischen Zeichen wie etwa Akzente, Hatschek u. dgl. und würden deutsche Schreiber wahrscheinlich nur verwirren.
2. In der frühen arabischen Schrift wurde gar nicht zwischen Dal und Dhal unterschieden, sondern beide Laute wurden mit demselben Schriftzeichen (ohne Punkt) wiedergegeben. Daher könnte es bei der Transkription auch zu Verwechslungen bzw. zu einer bewussten Beibehaltung der altertümlichen arabischen Schreibweise in der Transkription bzw. Transliteration gekommen sein.
3. Streng genommen müsste man genau unterscheiden zwischen Transkription und Transliteration http://de.wikipedia.org/wiki/Transliteration). Aber ich will hier jetzt nicht zu weit ausschweifen und mich eingehender mit den Umschrift-Systemen des Arabischen befassen. Ich stelle einfach mal so in den Raum, dass es durchaus sein könnte, dass dieser Aspekt ebenfalls eine Rolle spielt.

Meine Schlussfolgerung in Bezug auf den Duden:
Den Duden trifft hier ausnahmsweise mal keine Schuld, wenn er beide Schreibungen DAU und DHAU zulässt.

Und du, Scotty, darfst ruhig auch DAU schreiben, ohne dass du dir deswegen einen Kopf machen musst. Analog darfst du PEKING oder BEIJING schreiben, beides ist richtig, es sind nur unterschiedliche Transskriptionssysteme, die zugrunde liegen.


Gruß, Bussinchen


PS:
tran|skri|bie|ren <lat.> (Sprachw. einen Text in eine andere Schrift, z. B. eine phonet. Umschrift, übertragen; Wörter aus Sprachen, die keine Lateinschrift haben, annähernd lautgerecht in Lateinschrift wiedergeben [vgl. Transliteration]; Musik umsetzen)
© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM]


Bussinchen Online




Posts: 9

Sun Jun 14, 2009 11:11 am
#15 RE: Mehrere parallel gültige Schreibweisen im Duden - am Beispiel von DAU vs. DHAU, die; -, -en <arab.> (arab. Segelschiff) Quote · reply

In normalen deutschen Texten:

Wenn man lieber DHAU schreibt, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Denn dann kann der Leser gleich erkennen, dass es sich um ein (wahrscheinlich arabisches) Fremdwort handelt, da die Konsonantenkombination DH ansonsten im Deutschen nicht vorkommt und daher auf Anhieb fremd wirkt. Wenn jemand hingegen DAU ohne h schreibt, dann sieht das nach den deutschen Rechtschreibregeln gar nicht so merkwürdig aus, sondern fügt sich problemlos in die Reihe BAU, GAU, HAU, KAU, LAU usw. ein. Ohne das h erkennt man die Herkunft des Wortes nicht mehr. Es wirkt dann irgendwie mehr eingedeutscht als DHAU mit h.

Beim Scrabblen - DAU und DHAU:

Seid froh, dass ihr mehr Varianten legen dürft und dass ihr eure Chancen zu gewinnen erhöhst!

Lieben Gruß an alle von Bussinchen


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