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 Duden
Bussinchen Offline




Posts: 5

Fri Nov 02, 2007 2:02 am
Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply
Hallo allerseits!

Eben habe ich folgendes Schreiben via http://www.duden.de/service/softwaresupport/hotline.php an den Duden gemailt.
Ich bin wirklich sehr gespannt, ob, und wenn ja, was man mir antworten wird.
Ich halte euch in jedem Fall auf dem Laufenden!

Liebe Grüße vom Bussinchen
-------------------------------

Hier der Wortlaut meiner an den Duden gerichteten E-Mail:



E-Mail an den Duden – Frage zur Lexikographie

Guten Tag!

Zurzeit nehme ich an einem sprachwissenschaftlichen germanistischen Seminar der Universität Stockholm teil, in dem u. a. die Frage, was ein Wort sei, diskutiert wurde (Diskussion zur Definition). Dabei stellte ich die Frage in den Raum, wie man denn konkret (z. B. beim Duden, aber auch bei anderen Wörterbüchern) verfährt, wenn Wörter lexikographisch aufgenommen oder eliminiert werden. Welche Kriterien liegen zugrunde? Wer hat die "Macht" über die "Dicke" der Wörterbücher? Liegen Korpora zugrunde, bei denen die Frequenz analysiert wird, mit der Wörter in mündlichen und schriftlichen Texten vorkommen? Wer bestimmt die Art und Anzahl dieser Korpora? Ist Statistik wirklich immer repräsentativ?

Jedenfalls wundert es mich immer wieder und ich staune nicht schlecht, wenn ich z. B. beim Scrabble-Spielen auf Wörter stoße, die im Rechtschreib-Duden, 24. Auflage, stehen, obwohl diese nach meinem eigenen Sprachgefühl zu urteilen im normalen Sprachgebrauch (und wahrscheinlich selbst in älteren Texten) extrem selten vorkommen, während andere Wörter, die einem völlig geläufig sind und die bewiesenermaßen sehr häufig im täglichen Sprachgebrauch, in der Presse, in den Medien, in der Reklame oder als fachsprachliche Termini vorkommen, nicht im Duden stehen. Ich stelle diese Frage aus zwei Gründen: zum einen, weil es mich unter wissenschaftlichen Aspekten interessiert, zum anderen, weil ich auch gern Scrabble spiele und es in dem Spiel laut offiziellem Reglement nicht zulässig ist, Wörter zu legen, die nicht in der jeweils neuesten Ausgabe des Rechtschreib-Duden stehen (siehe http://www.scrabble.de/rules.php?f=&sub=3 ).

Ich erlaube mir, ein paar Beispiele für mir aufgefallene, heute extrem selten gebrauchte Wörter zu geben, die trotzdem im aktuellen Rechtschreib-Duden stehen:
· ou|t|rie|ren <franz.> (geh. für übertreiben)
· Kal|kant, der; -en, -en <lat.> (Blasebalgtreter an der Orgel)
· Nul|li|tät, die; -, -en (selten für Nichtigkeit; Ungültigkeit)
· ob|wal|ten [auch ...'¡...]; es waltet[e] ob, auch es obwaltet[e]; obgewaltet; obzuwalten
· ehr|pus|se|lig (mit einem kleinlichen, spießigen Ehrbegriff) / ehr|puss|lig vgl. ehrpusselig
· jun|gen (Junge werfen)
· Darüber hinaus findet man im Duden andere "seltsame" aus dem Arabischen oder sonst irgendwelchen exotischen Sprachen entlehnte und offenbar bereits eingedeutschte Wörter (z. B. Iman, Bey, Bong), die ich spontan gar nicht als deutsche Wörter eingestuft hätte.

Und hier einige gute Beispiele für meines Wissens heute sehr häufig gebrauchte Wörter, die trotzdem nicht im aktuellen Rechtschreib-Duden stehen:

· mint, mintgrün
· Ehrenwache
· Ölfeld
· quotal (häufig vorkommender fachsprachlicher Terminus aus der Sprache der Banker: nach Quoten aufgeteilt)
· Pinyin
· Erdbeerkuchen (während Apfelkuchen im Rechtschreib-Duden steht)

Nun habe ich entdeckt, dass man auf http://www.duden.de/ueber_duden/index.php?nid=9 etwas zu dieser Frage lesen kann. Unter dem Foto von Dr. Matthias Wermke, dem Leiter der Dudenredaktion, ist zu lesen: „Die Duden-Sprachdatenbank folgt mit ihrem kontinuierlichen Ausbau der Entwicklung unserer Sprache. Parallel dazu halten die von uns erstellten Wörterbücher und Sprachratgeber mit dieser Entwicklung Schritt.”

Ich sage jedoch: Eben nicht! Denn sonst hätten Wörter wie mintgrün, quotal, Ölfeld und Pinyin schon längst aufgenommen werden müssen. Ich kann das, was Sie auf der oben genannten Webseite behaupten, nicht nachvollziehen.

Begründung für meine Kritik, die zugegebenermaßen nicht wissenschaftlich und auch nicht repräsentativ ist und die auch keine korrekte statistische Analyse darstellt, sondern nur Stichprobencharakter hat:

· Die Google-Suche nach Kalkant, Seiten auf Deutsch, ergibt 1460 Treffer, von denen auch gleich ganz oben im Ranking völlig irrelevante Treffer wie gleichnamige Leuchten von IKEA ins Auge fallen, die von den 1460 Treffern natürlich wieder abgezogen werden müssen.
· Die Google-Suche nach ehrpusselig, Seiten auf Deutsch, ergibt 446 Treffer, ehrpusslig ohne e ergibt gerade mal 11 Treffer.
· Die Google-Suche nach outrieren, Seiten auf Deutsch, ergibt magere 690 Treffer.
· Die Google-Suche nach mintgrün, Seiten auf Deutsch, ergibt 98 000 Treffer.
· Die Google-Suche nach Ölfeld, Seiten auf Deutsch, ergibt 87 500 Treffer, Ölfelder im Plural ergibt satte 112 000 Treffer.
· Die Google-Suche nach quotal, Seiten auf Deutsch, ergibt 26 100 Treffer.
· Die Google-Suche nach Pinyin, Seiten auf Deutsch, ergibt satte 119 000 Treffer!


Ein Seminarteilnehmer hat zu diesem Thema Folgendes geschrieben (Zitat):

Liebe ...,

da stimme ich dir völlig zu. So ist es. Die Wörterbücher enthalten nicht alle die heute gebräuchlichen Wörter, obwohl die Verlage dies behaupten. Der Grund ist der, dass es zu teuer ist, völlig überarbeitete neue Ausgaben herzustellen. Die Verlage haben das Geld nicht. Deswegen werden normalerweise ziemlich wenige Veränderungen in den "neuen Ausgaben" gemacht. Der Hauptteil kann ziemlich alt sein.
Ich habe eine Arbeit über Phraseologismen gemacht und da verhält es sich ähnlich mit der Phraseographie. Ich untersuchte u.a. einige Ausgaben von der ZEIT und der Bild-Zeitung nach Phraseologismen und 20 Prozent von den von mir gefundenen Phraseologismen konnte ich nicht im Duden 11 von 2002 finden. Ich habe auch andere Wörterbücher und Quellen benutzt.
Ein anderes in diesem Zusammenhang interessantes (aber positives) Beispiel ist das 2003 erschienene, phraseologische Wörterbuch des Ungarischen. Es ersetzt das frühere von 1967 von Nagy mit 24.000 Stichwörtern. Von diesen 24.000 Stichwörtern wurden nur etwa 2.000 als heute gebräuchlich eingestuft, die anderen waren z.B. veraltet oder dialektal. Das neue Wörterbuch enthält 8.000 Stichwörter, die aus mehreren Jahrgängen führender ungarischer Zeitungen und Zeitschriften kommen.

...


Ich würde mich wirklich sehr über eine Stellungnahme seitens der Duden-Redaktion freuen, nicht zuletzt auch deswegen, weil diese eine interessante Bereicherung unseres sprachwissenschaftlichen Germanistik-Seminars darstellen würde. Außerdem gehe ich davon aus, dass viele Scrabble-Spieler sich genau diese Fragen stellen. Eine Stellungnahme seitens der Duden-Redaktion würde also auch unser Scrabble-Forum (http://home.pages.at/scrabble/en/index.html) bereichern.

Zusammenfassend möchte ich meine Fragen wiederholen:

· Welche Kriterien liegen zugrunde, wenn Wörter lexikographisch in den Duden aufgenommen werden?
· Welche Kriterien liegen zugrunde, wenn Wörter lexikographisch aus dem Duden eliminiert werden?
· Wie erklären Sie das Fehlen von hochfrequenten Wörtern wie Erdbeerkuchen und Ölfeld im aktuellen Rechtschreib-Duden?
· Wie erklären Sie Duden-Einträge von Wörtern wie Iman (arab.) und Bong (thai), die eigentlich gar keine echten deutschen Wörter zu sein scheinen?
· Bestehen in Bezug auf die Einträge Unterschiede zwischen dem Deutschen Universalwörterbuch und dem Rechtschreib-Duden?
· Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl des Korpus, das der jeweiligen Duden-Ausgabe zugrunde liegt?
· Werden bei dem Korpus sowohl mündliche als auch schriftliche Quellen berücksichtigt?


Mit freundlichen Grüßen, ...

Bussinchen Offline




Posts: 5

Thu Nov 08, 2007 3:55 pm
#2 RE: Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply
Bislang hat sich der Duden leider noch nicht bei mir gerührt.

Vielleicht sollte ich nächste Woche noch einmal nachhaken.

Vielleicht sollte ich auch eine andere E-Mail-Adresse ausfindig machen und mich nicht über die eher kommerziell ausgerichtete Webseite http://www.duden.de/service/kontakt/index.php an den Duden wenden, zumal es mir um eine wissenschaftliche Fragestellung zur Vorgehensweise der Lexikografen geht.


Scotty Offline

Administrator


Posts: 3.598

Thu Nov 08, 2007 3:58 pm
#3 RE: Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply

Ich fürchte, dass da keine befriedigende Antwort möglich sein wird. Ich würde doch auch nie zugeben, dass ich faul bin


Bussinchen Offline




Posts: 5

Thu Nov 08, 2007 4:29 pm
#4 RE: Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply
Eine befriedigende Antwort vielleicht nicht, das erwarte ich auch gar nicht, denn so ist es ja häufig in der Wissenschaft. Aber wenigstens eine Art Stellungnahme. Mit Faulheit hat die lexikografische Arbeit des Duden doch hoffentlich nichts zu tun. Stellt euch vor, wir würden die der Faulheit überführen...!
Die brauchen mir ja auch nicht konkret zu erklären, warum ausgerechnet Pinyin nicht drinsteht, während ehrpusselig drinsteht. Das waren nur Beispiele, um die Problematik zu beleuchten. Ich wäre schon zufrieden mit einer allgemeinen Darlegung der Kriterien, die man bei der Arbeit zugrundelegt. Keiner kann mir weismachen, dass hier allein die Frequenz der Wörter im Korpus ausschlaggebend ist. Und wenn ja, dann muss man logischerweise hinterfragen, nach welchen Kriterien das Korpus erstellt wird.

Die Kriterien des Duden bei der Aufnahme/Nichtaufnahme und der Eliminierung von Wörtern aus dem Wörterbuch interessieren mich wirklich, und das keineswegs nur aus Scrabble-Gründen!

Ich werde nachhaken, so viel ist sicher!
Bussinchen, die Hartnäckige

Bussinchen Offline




Posts: 5

Thu Nov 08, 2007 4:56 pm
#5 RE: Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply

Oder Scotty, meintest du, dass die nur zu faul sind, mir zu antworten?
Da würde ich aber eher glauben, dass die einfach keine Zeit haben für solche Dinge, oder dass die Person, die meine Mail entgegennahm, gar keine Ahnung hat, an wen sie die Mail weiterleiten soll...


Bussinchen Offline




Posts: 5

Fri Sep 11, 2009 6:51 pm
#6 RE: Der Duden und das offizielle Scrabble-Turnierreglement Quote · reply

Tja - ich habe nie eine Antwort auf meine Mail erhalten. Knapp zwei Jahre warte ich jetzt schon. Ein Nachhaken meinerseits hatte damals auch nichts genützt. Ich wurde vergessen oder man hat mich absichtlich ignoriert.

Immerhin stehen jetzt im RD25 Wörter wie PINYIN, ÖLFELD und MINT drin.
Ob da wohl meine Mail von 2007 ausschlaggebend war???!!!


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